Dicke zahlen doppelt!
by willi on Jun.12, 2010, under Africa, Malawi

Es ist noch früh am Morgen. Die Kühle ist sehr angenehm. Es war, während der Nacht doch sehr warm und stickig im Hotelzimmer. Es ist jetzt Anfang Dezember also Sommer hier auf der Südhalbkugel, und man wartet auf die Regenzeit.
Wir wollen eine Schule in Likuni besuchen. Likuni ist ein Vorort ca. 10 km östlich von Lilongwe, der Hauptstadt von Malawi. Die Straßen sind asphaltiert, nur die Fußwege sind nicht befestigt. So hier und da sieht man an den Pfützen, das es in der Nacht wohl auch geregnet haben muss. Wir machen uns auf, um zur Minibus Haltestelle zu kommen. Nur ca. 15 Minuten laufen. Hinter einem Kreisverkehr, sieht man schon von weitem eine große Menge weißer Kleinbusse stehen. Die Seitentüren sind geöffnet. Meistens steht vor diesen Bussen aus Koreanischer Produktion, ein junger Mann, der möglichst viele Fahrgäste ins Innere locken will. Dieser Bus-Verkehr hat jetzt Hochkonjunktur. Es wird gerufen, geflirtet, geschimpft und gefeilscht. Gefahren wird wenn alle Plätze im Bus besetzt sind, und dass sind viel mehr, als man das als Europäer erwachtet. Diese Kleinbusse haben alle 4 Sitzbänke, die jeweils ca. 4-5 Personen Platz bieten. Auf dieses Low Komfort Level bin ich nicht so ganz eingestellt. Ich brauche auch etwas Zeit, um mich auf die hinterste Sitzbank zu quälen. Das ist mit meinem nicht afrikanischen Gewicht von deutlich über 110 kg auch nicht so einfach. Ich verursache hierdurch auch das ein oder andere Gelächter. Doppelt zahlen soll ich, wird gerufen. Ich kann es auch niemandem verübeln, denn ich nehme wirklich auch mehr als den doppelten Platz auf der Sitzbank ein, wenn ich mich mit den durch die Bank mageren anderen Fahrgästen vergleiche. Mir ist die Sache sowieso schon peinlich genug. Irgend wann, findet unser Beifahrer, das alle Plätze jetzt besetzt sind, und das Ganze setzt sich in Bewegung. Endlich denke ich. Aber weit gefehlt, schon nach 50 Metern wird wieder angehalten, noch ein Fahrgast soll dazu. Die Luft im Innenraum ist zum schneiden. Dann geht’s weiter. Der Fahrtwind macht das ganze überhaupt erst erträglich.
Nach weiteren kurzen Momenten werden auf einmal die Geldscheine nach vorne gereicht, und das Wechselgeld kommt wieder zurück. 50 Kwatcha kostet die Fahrt , das sind umgerechnet ca. 25-30 Euro Cent. Da kann man wirklich nicht klagen. Trotzdem muss ich wissen, das sich diese Fahrt sicher nicht jeder erlauben kann. Es ist ein wenig Luxus.
Nach etwa 2 km wird angehalten. Einer der hinteren Fahrgäste will aussteigen. Hierzu steht beinahe die Hälfte der Fahrgäste auf der Straße, und quetscht sich danach wider in den Innenraum. So geht die Fahrt weiter.

Auf einmal beginnt es zu regnen. Eine wahre Sintflut stürzt vom Himmel. Die bislang trockene Straße verändert sich in einen kleinen Fluss, gefüllt mit einer braunen Brühe. Ich kann richtige Stromschnellen entdecken.
Das Wasser kommt durch die mit Plexiglas reparierten Seitenfenster, und auch durch den Boden ins Innere. Zu meinem Schrecken entdecke ich, das der Boden des Busses große Löcher aufweist. Niemand ,der wie ich, hier durch etwa überrascht wäre. Die Geschwindigkeit nimmt drastisch ab, Der Fahrer hängt aus dem Seitenfenster, weil die Scheibenwischer sowieso nicht funktionieren. Und so schnell wie das Wasser gekommen ist, so schnell ist es wieder verschwunden. Noch ein Paar Minuten, und dann stehe ich am linken Fahrbahnrand, und entfalte meine Beine, wir sind angekommen.
